Geschichte/Konzept

Entstehungsgeschichte des Jugendzentrums

Zu den Besonderheiten des Stadtteils Eversburg gehörten schon 1987 ein hoher Anteil von Sozialhilfebedürftigen, ein überdurchschnittlich hoher Anteil von Jugendlichen und eine hohe Kriminalitätsrate.
In der „ressortübergreifenden Präventionskommission“ der Stadt Osnabrück hatte man 1993 die Idee, durch Einbeziehung der Bürger eines Stadtteils, Kriminalität im Stadtteil zu verringern oder zu verhindern. Dies sollte in Zusammenarbeit mit allen in Eversburg ansässigen Vereinen und Verbänden geschehen. Es bildete sich ein engagierter Teilnehmerkreis, aus dem sich der „Runde Tisch Eversburg“ gründete.
Am „Runden Tisch“ festigte sich der Gedanke, dass Kriminalitätsverringerung durch sinnvolle Maßnahmen der Verbesserung der soziokulturellen Gestaltung Eversburgs möglich sein müsste.
Parallel dazu gab es im Sommersemester 1993 ein Projektseminar mit dem Titel „Infrastrukturanalyse und kleinräumige Sozialplanung am Beispiel eines Osnabrücker Stadtteils“. Vor dem Hintergrund der Annahme, dass Eversburg aufgrund besonderer sozialer Problemlagen und noch unzureichender sozialer Infrastruktur eine höhere fachliche Aufmerksamkeit verdiene, wurde dieser Stadtteil ausgewählt. Im Theorieteil des Seminars wurden zu Anfang Schwerpunkte für eine bedarfsgerechte und betroffenenorientierte Planung festgelegt

  • sorgfältige Erhebung der Daten
  • Beteiligung der Betroffenen
  • Befragung von Fachkräften und Schlüsselpersonen
  • Einbeziehung aller Träger sozialer Angebote.

Die konkreten Recherchen wurden von verschiedenen Arbeitsgruppen durchgeführt. Eine dieser Gruppen beschäftigte sich mit der Untersuchung der Freizeitsituation von Kindern und Jugendlichen.
Als Schlussfolgerung dieser Untersuchung wurde schon 1994 die Schaffung eines Stadtteilzentrums benannt zur „Verbesserung des Freizeitangebotes für unterschiedliche Zielgruppen und zur Verbesserung der Kommunikation unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen im Stadtteil“ .

Der neu gegründete „Runde Tisch Eversburg“ verfolgte daraufhin engagiert diesen Themenschwerpunkt. Durch zahlreiche Eingaben in Politik und Verwaltung und schließlich Vorstellung eines geeigneten Objektes zur Realisierung des Vorhabens beschlossen die politischen Gremien im November 1996 die Einrichtung eines Kinder- und Jugendtreffs.
Im Februar 1997 begannen die Umbauarbeiten an der Atterstraße, die zunächst im November 1997 abgeschlossen waren. Am 26. November 1997 fand die offizielle Eröffnung des Jugendzentrums Westwerk 141 statt.
In den darauf folgenden Jahren wurde die Einrichtung durch Umstrukturierungsmaßnahmen ständig räumlich vergrößert.

Konzept Jugendbereich

Das Jugendzentrum Westwerk 141 ist ein Haus der offenen Tür und konzeptionell eine lebenswelt- und sozialraumorientierte Einrichtung. Die Angebote sind darauf ausgerichtet, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihrer Entwicklung zu unterstützen und die Erziehung zu einer eigenverantwortlichen, demokratisch ausgerichteten, gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern.

Grundgedanke ist es, den Besuchern einen Raum zu bieten, in dem ihre Bedürfnisse nach Erkenntnis und Orientierung, nach sozialer Anerkennung, nach Anregung und vielfältigen Erfahrungen, nach Kontakt und Kommunikation und das Bedürfnis nach Schon- und Freiraum gestillt werden.

Um diesen Anspruch gerecht zu werden, verstehen wir uns sowohl als außerschulische Freizeiteinrichtung aber auch als Bildungs- und Beratungseinrichtung. Der Blick im Bereich der Bildungspolitik richtet sich häufig auf die Bereiche Schule und Ausbildung. Die Bildungsmöglichkeiten der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit treten dabei häufig in den Hintergrund. Das Konzept des Jugendzentrums Westwerk 141 möchte dieser Entwicklung entgegenwirken und den Besuchern jenseits von Schule die Möglichkeiten zur Entwicklung ihrer Kompetenzen bieten, die eine wichtige Voraussetzung für eine gelingende Biografie und für das Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft sind.

„Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zur gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.“1

„Zu den Schwerpunkten der Jugendarbeit gehören: Außerschulische Jugendbildung mit allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung.“2

[1] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Kinder- und Jugendhilfegesetz (Achtes Buch Sozialgesetzbuch)

[2] dto.

Konzeption Kinderbereich

Die Diakonie Osnabrück ist im Jugendzentrum WestWerk für die offene Kinderarbeit, Mädchenarbeit und Eltern-Kind–Arbeit zuständig.

Das Zentrum liegt in einem Stadtteil, indem unterschiedliche soziale Gruppen und Kulturen, Lebensstile und Generationen aufeinander treffen . Diese Vielfalt wird auch in das Zentrum hineingetragen und spiegelt sich im Leben, der Nutzung und den Angeboten des Treffs.
Es bestehen pädagogische Angebote für Kinder, Mädchen, Jungen und Eltern.

Der Kinderbereich ist ein Spiel-, Lern- und Erfahrungsraum für Kinder. In der Arbeit gelten folgende Schwerpunkte:

  • Orientierung an den Bedürfnissen und den Lebenssituationen der Kinder und Familien im Stadtteil;
  • ein breites Spektrum von Angeboten sorgt dafür, dass Kinder verschiedener Altersstufen, Kulturen und gesellschaftlicher Gruppierungen sich heimisch fühlen;
  • geboten wird ein Ort der Begegnungen mit anderen Kindern und anderen Kulturen;
  • Kinder werden angeregt, sich über verschiedene kreative und künstlerische Ausdrucksformen aktiv mit ihrer (Um-) Welt auseinandersetzen;
  • Unterstützung für Kinder und Familien in ihrer persönlichen und sozialen Lebenssituation;
  • Einflussnahme auf die Gestaltung kindgerechter Spiel- und Erfahrungsräume gleichermaßen im Zentrum und Stadtteil.

Kernstück des Kinderbereichs ist der OFFENE KINDERTREFF für Kinder im Alter von sechs bis 12 Jahren. Offen bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Kinder den Treff während der Öffnungszeiten besuchen können, ohne sich auf einen bestimmten Zeitpunkt oder eine regelmäßige Teilnahme festlegen zu müssen. Die Kinder entscheiden sich selbst, ob und wann sie kommen und gehen, und an welchem Angebot sie teilnehmen.
Die Kinder werden durch die vielfältig gestaltete Raumstruktur und Materialausstattung zu selbstständigem Tun und Spiel angeregt. Der Kindertreff umfasst einen Spielbereich und einem Mädchenraum.
Angeleitete Jungengruppen treffen sich einmal die Woche im Spielbereich.
Der Mädchenraum steht den Mädchen während der gesamten Öffnungszeit zur Verfügung. Neben dem “offenen Mädchentreff” finden zeitversetzt und nach dem Alter aufgeteilt Mädchengruppen statt.
In den Mädchengruppen werden mädchenspezifische Kurse oder Projekte aus den Bereichen Kunst und Kreatives, Kochen, Theater, Computer, Selbstverteiligungskurse u.v.m. angeboten.
Die thematischen Angebote im Kindertreff erfordern auch eine angemessene Vorbereitung, um den Erwartungen und Wünschen der Kinder gerecht zu werden.

ARBEIT MIT KINDERN UND MÄDCHEN AUS MIGRATIONSFAMILIEN

Ein weiterer und wichtiger Bestandteil ist die Arbeit mit Kindern und Mädchen aus Migrationsfamilien. Durch eine einjährige Fortbildung der Mitarbeiterin zur Migrationsfachfrau tragen wir diesem Bildungsziel der interkulturellen Kompetenz Rechnung.

Eine gute Zusammen- und Netzwerkarbeit mit sozialen Einrichtungen der Stadt Osnabrück, die sich mit dem Thema Migration, Aufenthaltsstatus, Abschiebung und Duldung, auseinandersetzen ist die Grundvorraussetzung. Zum Netzwerk gehören neben den öffentlichen Einrichtungen, auch Vereine wie Exil, Femme und das Aktive Netzwerk von/für/mit Migrantinnen.

ELTERN – KIND – ARBEIT

Unter der Leitung einer Dipl. Pädagogin findet eine Eltern Kind Gruppe statt. Häufig stehen junge Eltern besonders in den ersten Lebensjahren ihres Kindes vor neuen Situationen, die sie verunsichern. Es ist nicht einfach, das Baby zu verstehen und auf seine Bedürfnisse einzugehen. Auch in der neuen Elternrolle muss man sich zurechtfinden. Der persönliche Umgang mit dem Baby und die ungewohnten Belastungen als Eltern und als Paar können in der Gruppe besprochen werden. Sich den Bedürfnissen des Kindes zuzuwenden und ihm bei der Entdeckung seiner Umwelt zu helfen, ist ein Thema.

Kinder brauchen Spiel-, Lern- und Erfahrungshorizonte, die sie ermutigen, sich – in welchen Formen auch immer – auszudrücken, Neues kennenlernen und selbst schöpferisch tätig werden.